

Assalamu alaikum und Grüß Gott!
bayn / بين, (gesprochen bayna) ist das arabische Wort für „zwischen“.
Zwischen Gedanken und Geschichten.
Zwischen Arbeit und Familienleben.
Zwischen der Pfalz, Marokko und Qatar.
Zwischen Menschen, Identitäten und Kulturen.
Hier entstehen in loser Folge Texte über genau diese Zwischenräume – persönlich, psychologisch, kulturell und manchmal einfach alltäglich.
Ein erster kleiner Einstieg findet sich bereits hier:
„Warum Asiya?“ – ein Text zwischen Namen, Identitäten und Zugehörigkeit.

Warum Asiya?
Nun ja, es begab sich zu der Zeit, als mein Mann und ich noch recht frisch verheiratet waren. Er telefonierte regelmäßig mit seiner Großmutter in der Heimat und aus verschiedenen Gründen nannte er mich dabei nicht beim Namen, sondern sprach von „Hassaniya“, wenn er mich meinte. Vielleicht wollte er ihr meinen Namen aus Gründen der Aussprechbarkeit nicht zumuten, vielleicht war das eine Sache von Anstand und Respekt, vielleicht wollte er auch schlicht nicht, dass ich merke, wenn er über mich spricht (ein Plan, der übrigens gar nicht aufgegangen ist – ich habe das ganz schnell durchschaut). Am wahrscheinlichsten war es wohl eine Mischung aus allem.
Nur hatte er dabei die Rechnung ohne seine resolute, bewundernswerte Großmutter gemacht. Die nämlich forderte nach einiger Zeit:
„Warum nennst du deine Frau bei so einem altmodischen Namen? Sie hat Besseres verdient! Deiner Frau gebührt inshaAllah das Paradies – nenn sie doch Asiya, das ist viel schöner und passender!“
So war es dann – und ansonsten spielte dieser Name keine wirkliche Rolle.
Bis ich etwa zwei Jahre später bei einem Besuch im Heimatland meines Mannes beschloss, beim dortigen Notar ein offizielles Dokument ausstellen zu lassen, welches meine Konversion zum Islam belegen sollte. So etwas braucht es beispielsweise, um ein Pilgervisum für eine Reise nach Mekka zu erhalten – vor allem, wenn man einen urdeutschen Namen hat. Nun könnte man darüber nachdenken, wie viel ein Name eigentlich über die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft aussagt – oder eben auch nicht. Ich spare mir diesen Gedanken aber für einen anderen Artikel auf.
Der Notar jedenfalls gehörte zu denjenigen, die meinen Namen Katja offenbar höchst problematisch fanden. Ich bräuchte einen islamischen Namen, eröffnete er mir. Nachdem ich einige Fragen zu den fünf Säulen des Islam beantwortet, ordnungsgemäß das Glaubensbekenntnis gesprochen und etwas über die Pflichtgebete erzählt hatte, erklärte er mir nun, dass es noch einen Namenswechsel brauche. Das war so gar nicht nach meinem Geschmack, denn diese Pflicht besteht keineswegs, um zum Islam zu konvertieren.
„Aber mein Name ist bloß eine Abkürzung für Katharina, von griechisch ‚die Reine‘“, führte ich aus. Im Gegensatz zu den in meiner Generation zahlreichen „Christine / Christiane / …“ bin ich mit einem Namen gesegnet, der länger existiert als das Christentum oder der Islam. Das ist der Name, den meine geliebten Eltern für mich ausgesucht haben. Wo denn nun eigentlich das Problem sei?
Der Notar blieb unbeeindruckt:
„Nehmen Sie doch Khadija, das klingt doch ganz ähnlich!“
Keinesfalls. So heißen doch alle Konvertierten: Khadija oder Maryam. „Klingt ähnlich“ – was für ein albernes Argument. Dann hätten wir meinen Namen doch auch einfach lassen können, wie er ist.
Bevor nun aber die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Heimatländern ernsthaft in Gefahr geraten wären, lenkte ich ein und sagte leise zu meinem Mann:
„Weißt du, wenn ich jetzt hier unbedingt einen neuen Namen kriegen muss … dann nehme ich den Namen, den schon jemand für mich ausgesucht hat. Deine liebe Oma nennt mich doch Asiya. Sag ihm, ich will Asiya heißen.“
So kam es, und ich wurde – mehr oder weniger stolze – Besitzerin eines offiziellen Dokuments, das mich als Katja Asiya ausweist.
Übrigens: Die Liebe der Großmutter meines Mannes zu mir beruhte auf Gegenseitigkeit. Vor nicht allzu langer Zeit ist sie verstorben (Allah yerhamha! Möge Allah sich ihrer Seele erbarmen!). Es ist mir eine große Ehre, den Namen zu tragen, den sie für mich ausgewählt hat. Und es zeigt, welch hohe Meinung sie von mir hatte.
Asiya nämlich ist der Name der Frau des Pharao. Derjenigen, die den Propheten Musa (as) [dtsch. Moses] aus dem Fluss fischte – einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten nur den einen Gott (Allah) anbetete, obwohl ihr eigener Gatte sich selbst zum Gott erhoben hatte. Ein unglaublich hohes Vorbild an Standhaftigkeit! Sie soll eine der nur vier Frauen sein, denen das Paradies bereits sicher ist.
So der Wunsch der Großmutter für mich und so hoch ihre Meinung von mir. Sicher bin ich weit davon entfernt, dem gerecht zu werden.
In großer Liebe und Dankbarkeit erbitte ich für unsere verstorbene Oumi von Allah nichts Geringeres als die höchste Stufe im Paradies. Möge Er ihr das Grab weiten und sie ohne Strafe ins Paradies eintreten lassen. Amin.
